ereignis

Vorträge in der Karlstrasse: Architektur zum Gebrauch

17.11.2010: Dr., Soziologe, Anthropologe Michael Guggenheim, London

Michael Guggenheim ist Soziologe am Goldsmiths, University of London. Im Zentrum seiner Forschungen steht die Analyse von komplexen Professionen und das Verhältnis von Experten und Laien. Er arbeitet zurzeit an einem Projekt zur Geschichte, Theorie und Ethnographie von Umnutzungen und hat kürzlich einen Buch zu reisenden Gebäudetypen unter dem Titel „ Re-shaping Cities. How Global Mobility Transforms Architecture and Urban Form“ mitherausgegeben. Er ist ausserdem Autor von „Organisierte Umwelt.

Umweltdienstleistungsfirmen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.“ Und Co-Autor von „Imaginierte Laien. Die Macht der Vorstellung in wissenschaftlichen Expertisen“. Sein nächstes Projekt handelt vom Verhältnis von Katastrophenschutzorganisationen und Bevölkerung. Er war 2006 Ko-Kurator der Wissenschaftsausstellung „die wahr/falsch inc.“ in Wien und ko-operiert mir Bernd Kräftner und Judith Kröll in verschiedenen Projekten zur Integration von Ethnographie und Kunst.

Umbeten

Wie Fabriken zu Moscheen und Kirchen umgenutzt werden
Was ist eine Moschee? Was ist eine Kirche? Ist eine Moschee oder Kirche durch architektonische Merkmale wie Kirchturm und Minaret, Altar und Mihrab definiert oder durch Gebetshandlungen? Wenn ersteres der Fall ist, was bedeutet es dann für westliche Städte, wenn Gebetshandlungen nicht mehr in dafür erkennbaren Gebäuden stattfinden und die Orientierungsleistung von Gebäudetypen abhanden kommt? Wenn letzteres der Fall ist, warum geben sich Muslime dann nicht mit umgenutzten Fabriken zufrieden und verlangen „richtige“ Moscheen?

Der Vortrag beleuchtet anhand von verschiedenen Umnutzungsprojekten wie Fabriken, Wohnhäuser oder Theater zu Gebetshäusern gemacht werden. Er analysiert die Rolle von Nutzern und Architekten in Umnutzungen und die unterschiedlichen praktischen, theologischen und räumlichen Erfordernisse, die an Fabriken oder Wohnhäuser als Gebetsräume gestellt werden. Wann werden, falls überhaupt, von Benutzern welche architektonischen Elemente in umgenutzte Gebäude eingefügt und warum? Unterschiedet sich die Benutzung von solch umgenutzten Gebäuden von denen von richtigen Kirchen und Moscheen? Sind solche Umnutzungen Beispiele kreativer Nutzung und sollten gestärkt werden, sind es zu vermeidende Reaktionen auf Notsituationen, oder stellen sie gar eine Gefahr für die europäische Stadt dar?

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